Abonnierbarkeit des MVV-Ausbildungstarifes ist ein erster Schritt

Gemeinsame Pressemitteilung des AK Jugend- und Ausbildungsticket unter Federführung des Kreis-Jugend-Ring München Stadt:

 

 

Nach der erfolgreichen Einführung des Semestertickets stand die Überarbeitung der MVV-Zeitkartentarife für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Ausbildung an (sog. Ausbildungstarif I und II). Nun bekommen  auch Schüler und Azubis die Vorteile eines Abonnements gewährt. Von der Ideallösung anderer Städte und Bundesländer ist man jedoch noch weit entfernt. Der Arbeitskreis Jugend- & Ausbildungsticket fordert daher weitere Verbesserungen.

 

„Der Ausbildungstarif im Abo ist ein guter Zwischenschritt, jedoch kein großer Wurf“, äußert sich Stefanie Lux, Vorsitzende des Kreisjugendring München-Stadt (KJR), im Namen des Arbeitskreises stellvertretend für mehrere Jugendorganisationen.

 

 

 

 

 

 

In einer gemeinsamen Sitzung der Ausschüsse für Stadtplanung und Bauordnung sowie für Arbeit und Wirtschaft am 9. Dezember wurden Details zum neuen Abo im Ausbildungstarif I und II bekannt: Nach dem Schema  „Zahle 10,5 und fahre 12 Monate“ profitieren ab dem 1. August 2016 nun auch Schüler und Azubis von einem Rabatt, wenn sie sich für eine Jahreskarte entscheiden. „Wer bisher ganzjährig im MVV unterwegs war, wird sich über die Entlastung freuen. Die Grundproblematik des hohen Preisniveaus in München sowie die Komplexität des Ringesystems bleiben jedoch erhalten“, so Lux weiter.

 

Der Entscheidung in Politik und MVV-Verbundgremien vorausgegangen ist eine Marktstudie von MVV und den beiden großen Verkehrsunternehmen MVG und S-Bahn München. Diese Studie habe vor allem ergeben, dass knapp jeder vierte Kunde im MVV-Gebiet zum Kreis der Berechtigten des Ausbildungstarifes gehört und neben den Monats- und Wochenkarten vor allem das U21-Angebot mit Streifenkarten stark nachgefragt ist.

 

Besonders mit Blick auf den Geldbeutel älterer Schüler und die Vergütung in einigen Ausbildungsberufen ist das Tarifniveau für Pendler und Langstreckenfahrer mit vielen Ringen in München nach Ansicht der Mitglieder des Arbeitskreises unverhältnismäßig hoch, obwohl der Ausbildungstarif staatlich bezuschusst wird. Selbst innerhalb des Tarifsystems ist der Abstand des neuen Ausbildungstarif-Abonnements im Verhältnis zu rabattierten Angeboten wie dem JobTicket nicht besonders groß. Der Vergleich zu Angeboten in anderen Städten und Bundesländern beweist, dass auch andere Tarife möglich sind.

 

Wegen der Subventionierung des Ausbildungstarifes gem. §45a PBefG haben junge Menschen keinen Einfluss auf die Zeitkartenringe, in denen das Ticket zunächst gilt. Gefördert wird der Weg von der Wohnung zur Ausbildungsstätte, eine Erweiterungskarte ist separat erhältlich. Wenn etwa bei Azubis die Berufsschule nicht im gleichen Zeitkartenring wie der Ausbildungsbetrieb liegt, können auch mit dem neuen Abo Zusatzkosten entstehen.

 

Der Arbeitskreis schlägt zudem Vereinfachungen vor, beispielsweise bei der Ausstellung von Ausweisen oder der Erstattung der Schulwegkosten. „Für die Abonnenten von morgen müssen die Verkehrsunternehmen schon heute mehr tun“, fordert Lux.

 

Mit dem Semesterticket wurde nach jahrelanger Diskussion ein wichtiger Schritt unternommen – dankenswerterweise ermöglicht durch die Absicherung der LH München. Der große Wurf bei den Ausbildungstarifen scheint erst in den kommenden Jahren realisierbar: „Wir setzen unsere Hoffnung darauf, dass bei der geplanten MVV-Tarifstrukturreform die Belange junger Menschen in Ausbildung im Fokus bleiben. Mobilität ist für junge Menschen ein wichtiges Grundbedürfnis“, betont die KJR-Vorsitzende. Wer in sozialen Netzwerken über die Stadt und die Region verteilt Freundschaften pflegt, denkt und bewegt sich nicht mehr im Ringesystem des Münchner Nahverkehrs. Orientiert an Angeboten in anderen Städten fordert der Arbeitskreis ein Ticket für alle jungen Menschen in Ausbildung, das im gesamten Stadtgebiet gültig ist und maximal 1 Euro pro Tag kosten darf.

 

Aus politischer Sicht muss die Landeshauptstadt gemeinsam mit dem Freistaat Bayern und den anderen MVV-Gesellschaftern ein gerechtes und stimmiges Gesamtkonzept entwickeln. Denn die Regularien des §45a PBefG führen bisher auch zu Ungerechtigkeiten und Benachteiligungen, wie etwa, dass im Ausbildungstarif keine gleitende Geltungsdauer wie bei der IsarCard angeboten wird. Dem Tarifverbund müssen vom Freistaat Bayern mehr Freiheiten und Möglichkeiten zu Innovationen eingeräumt werden. Dass die LH München mit der heutigen Sitzung die Möglichkeit für eine Beteiligung von Kindern und Jugendlichen im Rahmen eines Workshops zur Tarifstrukturreform eröffnet, wird vom Arbeitskreis ausdrücklich begrüßt: „Wir werden uns gemeinsam für die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen unserer Stadt weiter tatkräftig engagieren und wünschen uns eine Kooperation auf Augenhöhe.“

 

Über den Arbeitskreis Jugend- & Ausbildungsticket

 

Im AK „Jugend- & Ausbildungsticket“ engagieren sich Vertreterinnen und Vertreter von Jugendverbänden und der parteipolitischen Jugendorganisationen:

 

- Bund der Deutschen Katholischen Jugend in der Region München

- DGB Jugend München

- Evangelische Jugend München

- Grüne Jugend München

- Jusos München

- Junge Union München

- Kreisjugendring München-Stadt

- StadtschülerInnenvertretung München

- Studierende mit dem AK Mobilität der Münchner Hochschulen

 

Der Arbeitskreis hat folgende zentrale jugendpolitische Forderungen für ein künftiges Jugend- & Ausbildungsticket:

 

- Gültigkeit für alle jungen Menschen in Bildung & Ausbildung

- Räumliche Gültigkeit im gesamten Stadtgebiet der LH München

- Preisziel 1 €/Tag