Lebenslauf

 28.01.1894

Geburt in Mergentheim, die Eltern betreiben die einzige jüdische Bäckerei in Würzburg. Aufgrund seiner proletarischen Herkunft ist Fechenbach gezwungen die Schule im Alter von 13 Jahren zu verlassen und früh sein Leben in die eigenen Hände zu nehmen.

 

1910

Beginn einer Ausbildung in einer Würzburger Schuhwaren-Großhandlung und Beginn seines Engagements in der Arbeiterbewegung (Beitritt in den gewerkschaftlichen „Zentralverband der Handlungsgehilfen und -gehilfinnen Deutschlands" und erstes Engagement in der sozialdemokratischen Jugendbewegung, wie „Jugendbund Würzburg").

 

1911

Umzug nach Frankfurt am Main, in einer Schuhwaren-Großhandlung organisiert er einen Aufstand gegen unbezahlte Mehrarbeit und wird entlassen.

 

1912

Umzug nach München, bald tätig als Hilfsarbeiter im Arbeitersekretariat der Gewerkschaft. Außerdem journalistische Tätigkeiten für die Handelsgehilfen-Zeitung und die sozialdemokratische „Münchner Post". Kompensation der schlechten Schulbildung durch abendlichen Besuch der Fortbildungsschule.

 

03.02.1914

Aufgrund eines Beschlusses des Chemnitzer Parteitages von 1912, mit geeigneten Maßnahmen die jungen Arbeiter und Arbeiterinnen für die Arbeiterorganisation zu gewinnen, wird eine Konferenz einberufen, bei der Fechenbach das Einführungsreferat hält - der Gründungstag der Münchner Jusos. Die neue Organisation fungierte als Jugend-Sektion innerhalb der Partei („Sozialdemokratischer Verein München") und sah die Bildung der jungen Arbeiter und Arbeiterinnen als Hauptaufgabe an. In einem Artikel verwendet Fechenbach erstmals das Wort „Jungsozialisten".

1914

Fechenbach wird als Patrouillenführer in den Krieg eingezogen und mit dem Eisernen Verdienstkreuz 2. Klasse ausgezeichnet.

 

1915

Kriegsuntauglich, aufgrund schwerer Verwundungen, daraufhin Einsatz in einem Münchner Militärbüro. Fechenbach setzt sein politisches Engagement fort und lernt bald Kurt Eisner kennen. Durch die Organisation von Massenversammlungen und Streiks, dem Verfassen illegaler Flugblätter, als Redner etc. arbeitet Fechenbach mit Eisner auf die Revolution hin.

 

1918

Fechenbach ist Urheber des Appells „Soldaten! Auf in die Kasernen! Befreien wir unsere Kameraden! Es lebe die Revolution!" Fechenbach wird persönlicher Sekretär und Referent des bayerischen Ministerpräsidenten, Kurt Eisner.

 

1919

Eisner wird am 21. Februar erschossen und Fechenbach verlässt im April München. Baldige Festnahme und Freilassung, wegen politischer Umtriebe gegen die Regierung. Am 12.08. heiratet Fechenbach die Medizinstudentin Martha Czernichowski; ein Gratulant ist Albert Einstein. Fortan ist Fechenbach hauptsächlich journalistisch tätig. Er wird wegen Landesverrat zu 11 Jahren Zuchthaus und 10 Jahre Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Wegen großen öffentlichen Protests (u. a. 30.000 eingereichte Protest-Unterschriften) muss Fechenbach nur gut 2 Jahre absitzen. Diverse Umzüge, 1925 Heirat der Krankenschwester Irma Eppstein und Redakteurstätigkeiten für sozialdemokratische Zeitungen, die er früh benutzt zum publizistischen Widerstand gegen den aufkommenden Nationalsozialismus. Außerdem ist Fechenbach weiterhin in der Arbeiterjugend engagiert.

 

1933

Frühe Repressalien der Nazis gegen Fechenbach. Am 11. März wird Fechenbach in „Schutzhaft" genommen und soll auf Anweisung Himmlers ins Dachauer KZ überführt werden. Die Nazi-Stimmen, die mit Fechenbach „kurzen Prozess" machen wollen, mehren sich.

Am 7. August wird Fechenbach, unter ungeklärten Umständen, von vier SA- & SS-Männern, während eines Gefangenentransports, „auf der Flucht erschossen".

Einer der Täter, SA-Sturmführer Segler, wurde nach 1945 amnestiert und nur zweien der Prozess gemacht. Fechenbach ist auf dem jüdischen Friedhof in Rimbeck begraben. Dank der Hilfe von Albert Einstein gelang es Irma Fechenbach ind die USA zu emigrieren.