Lebst du schon oder hungerst du noch?

"Schlank, schön, fit und erfolgreich" ist die zusammengefasste Botschaft der Werbung an die Frauen.

Der durchschnittliche BMI bei Models liegt heute bei 18,5. Die Weltgesundheitsorganisation würde eine Frau mit einem BMI von 18,5 als unterernährt einstufen. Ab einem Wert von 17,5 spricht man von Magersucht.

In Deutschland leiden 100.000 Menschen an Magersucht und 600.000 an Bulimie, 95 % davon sind Frauen. 10 % aller Magersüchtigen sterben an dieser Krankheit.

Gerade Frauen scheinen vom Schönheitsideal "Schlank - um jeden Preis" besonders betroffen zu sein. So gaben 25 % aller Mädchen zwischen 7 und 10 Jahren an, schon einmal eine Diät gemacht zu haben. 50 % aller Mädchen unter 15 Jahren mit Unter- und Normalgewicht halten sich für zu dick.

Zickenterror?
Was ist mit uns Frauen bloß los, dass wir uns ständig über unser Gewicht Gedanken machen? Dass wir uns selbst dann noch für dick halten, wenn der Spiegel bereits Hungeralarm schlägt? Das von den Medien an die Wand gemalte Idealbild einer Frau bedeutet in der Realität vor allem eins: Selbstkontrolle und Selbst-beschränkung. Nein, heute doch keinen Nachtisch! Selbstkontrolle und Selbstbeschränkung sind typische Handlungsweisen, die von Frauen Jahrhunderte lang erwartet wurden. Beim Abendessen zu servieren, sich dann still an den Tisch zu setzen und dem Gespräch der Männer zu lauschen. Aber heute?

Tipps in Frauen- und Mädchenmagazinen (Nimm dich so wie du bist!; Auch übergewichtige Menschen können Spaß haben!) werden ad absurdum geführt, wenn zwei Seiten später Modestrecken folgen, die eigentlich nur mit Kleidergröße 36 getragen werden können.

Modetrends kommen und gehen: Selbst Marilyn Monroe wäre heute als Model viel zu dick. Auch Verstümmelungen für die Schönheit sind nicht neu: In China haben sich die Frauen früher ihre Füße eingebunden und sich damit verkrüppelt, um ihrem Ziel kleiner Füße näher zu kommen.

Doch die absurden Auswüchse des Schönheitswahnes sind nur Symptome für ein tiefersitzendes Problem: Das Aussehen spielt in der Bewertung von Frauen nach wie vor eine zentrale Rolle. Das Hauptproblem ist auch heute noch der fehlende Respekt der Gesellschaft für andere Leistungen von Frauen. Solange dieses Grundproblem nicht gelöst ist, werden Frauen also auch weiter hungern.

Dies soll übrigens kein Appell sein, sich nicht mehr um sein Aussehen zu kümmern und stattdessen in Sack und Asche durch die Gegend zu laufen. Im Iran beispielsweise ist das Recht, sich Schminken zu dürfen, von Frauen hart erkämpft worden. Das Problem fängt erst da an, wo bestimmtes Verhalten oder Aussehen zur "Pflicht" werden.

Unser Ziel ist es, dass jede Frau selbstbestimmt entscheidet, was sie trägt, wie sie aussieht und was sie gerne tun möchte oder eben auch nicht.

Jeder Mensch verdient Respekt auf Grund seiner oder ihrer "Leistungen".
Dies gilt auch für Frauen!