Wir lassen uns nicht in Schubladen stecken

Wie ist denn die perfekt Frau heute?

Werbung, Cosmopolitan & Co sagen uns, sie ist jung, schlank, rund um die Uhr aktiv, leidenschaftlich, selbstständig, selbstbewusst. Ach ja, und das ist übrigens alles ganz einfach zu erreichen, wenn man in dem ein oder anderen Bereich ein Defizit haben sollte: man braucht nur einen dieser Tests auszufüllen "Wie wirke ich auf Männer?", "Wie durchsetzungsstark sind Sie im Job" oder: "Welcher Eß-Typ bin ich?" Schon nach 10 Fragen, mit a, b oder c angekreuzt, hat man die fundierte Auswertung. Selbstverständlich gespickt mit Ratschlägen und Tipps, die man nur umzusetzen braucht, um sich zur perfekten Frau zu formen.


Der erfolgreichen, begehrten, selbstbewussten Superfrau, die die ideale Balance findet zwischen ihren vielen gutaussehenden Liebhabern (oder optional der - dank dem richtigen Ratgeberbuch - vollkommenen Beziehung), ihrem Vorstandsposten, ihrer beneidenswert eingerichteten Penthousewohnung, dem Yoga-Kurs, ihrem Personal Coach, ihren vielen Freunden, ihren Reisen in die exotischsten Länder der Welt (und hippen Städtereisen verbracht in Wellnesshotels), zwischen Versace- und Stefanelläden und dem Do-it-yourself-Handwerkerkurs (wir sind ja schließlich emanzipiert!). So rennt die perfekte Frau immerzu gut gelaunt, perfekt geschminkt und jederzeit mit einem schlagfertigen Spruch auf den Lippen souverän durch die Welt. Übrigens - niemals vergessen: `Legen Sie ihren Perfektionismus ab und bleiben Sie stets gelassen!´

Das ist die eine Sache mit dem Rollenbild der heutigen Frau. Aber wie sieht es eigentlich mit Schubladen aus, in die wir gesteckt werden (oder suchen wir uns die Rolle selbst aus, in die wir schlüpfen?). Natürlich bildet sich jeder ein Bild über jemanden, den er zum ersten Mal sieht und in der Tat entscheidet ja jeder über den ersten Eindruck anderer durch die Kleidung, die Körpersprache und das Verhalten mit. Aber werden wir Frauen nicht oft viel zu schnell in irgendwelche Kategorien eingeteilt?

Frauen, die sich schminken und gern mit Mode spielen, sind oberflächlich, eingebildet und meistens ein bisschen dumm.

Frauen, denen es wurscht ist, was sie anziehen und ob jemand findet, dass ihr Mund mit ein etwas Lippenstift viel sinnlicher wirken würde, sind langweilig und ungepflegt.

Frauen, die sagen was sie denken und das in dem Temperament, das die Situation eben verlangt, sind zickige Emanzen und anstrengend.

Frauen, die ruhig sind und sich genau überlegen, ob es angemessen ist, was sie sagen, sind graue Mäuschen.

Frauen, die körperlich sind, Spaß am Sex haben und gern flirten, sind leicht zu kriegende Schlampen.

Frauen, die nicht mit jedem ins Bett gehen und ein Männer-Ego ankratzen, indem sie auf irgendeine originelle Anmache nicht eingehen, sind frigide und frustriert...

Eine (emanzipierte) Freundin hat mir letztens gesagt, es ist noch viel zu früh, um damit zu spielen. Mit den verschiedenen Rollen, z.B. der mädchenhaften. Bei der man (im rosa Rock) den Kopf seitlich legt und mit einem Schmollmund und charmantem Augenaufschlag jemanden bittet, etwas zu holen. Wirkt unemanzipert und nervig. Kann sein. Aber müssen wir tatsächlich immer zeigen, wie stark wir sind und darf man als emanzipierte Frau keine Ballerinas tragen? Wir haben tausend Seiten und dürfen diese emanzipiert ausleben!

Emanze, blondes Dummchen, Girlie-Zicke?
Wir lassen uns nicht in Schubladen stecken!


Wir nehmen uns das Recht heraus zickig zu sein, wenn uns jemand anzickt, divenhaft zu sein, wenn wir uns einmal wie eine Diva fühlen, langweilig zu sein, wenn uns eben mal kein witziger Spruch einfällt, mädchenhaft zu sein, weil Mädchen eben cool sind und wir stolz drauf sein können, welche zu sein, uns hart und männlich zu geben, weil wir das eben auch sind. Sexy, wenn wir uns danach fühlen und im Trainingsanzug rumzulaufen, wenn wir eben Bock drauf haben! Frauen haben tausend Facetten, also Mädels, habt den Mut, diese zu zeigen, verbündet euch, statt euch gegenseitig zu verurteilen, lasst euch nicht in eine Rolle pressen und bleibt euch selbst treu mit allen Seiten, die in euch stecken! Denn Vielseitigkeit ist einer unserer vielen Vorteile!